Ein Traum wird wahr!
07.01.2004
- Der Video-Dreh von King Of Love
Als
ich am Montag morgen nach der Fan-Party erwachte war mein erster
Gedanke, "Hast Du das alles geträumt oder ist es wahr?". Noch
völlig schlaftrunken wankte ich nicht wie gewohnt zu meiner
Kaffeemaschine, sondern zur Digitalkamera, um die Bilder des Wochenendes
zu sichten... Da waren sie wirklich, die Bilder auf denen ich breit
grinsend neben Thomas auf der Bühne stand! Es stimmte also, ich hatte
diesen Preis, den ich mir insgeheim schon seit Jahren wünschte,
gewonnen. Ich durfte zum Videodreh von King Of Love nach Mannheim!
Am
Mittwoch morgen grübelten mein Freund Marcel und ich zunächst lange,
was wir wohl anziehen sollten. Wo und wie wird so ein Video gedreht? Ist
es da warm oder kalt? Wir entschlossen uns für Winterkleidung, was sich
später als sehr gute Wahl herausstellte! Um halb 8 fuhren wir dann los
und kamen kurz nach 10 an. - Na ja, erst waren wir nicht sicher, ob wir
wirklich da waren, aber die Beschreibung passte und am Gebäude stand
der gleiche Name... Aber hier??? Wir befanden uns in einem halb
zerfallenen Industriegebiet: alte Fabrikhallen, einstürzende Mauern,
Bauzäune und der Parkplatz bestand aus mehr Pfützen als sonst was. Wie
ein Set für ein Videodreh sah das wahrlich nicht aus!!
Wir
nahmen den ersten Eingang und fanden auch jemand, den wir fragen
konnten. Der nette Herr beantwortete die Frage "Sind wir hier
richtig?" allerdings mit einem knappen "Nein" und ich
dachte schon, wir sind total falsch oder man hat uns mit der
Wegbeschreibung veräppelt. Dann grinste er und meinte, wir sollten an
dem Gebäude entlang gehen bis zu blauen Türe und dort hinein. Okay,
wir wieder raus, den matschigen Hof entlang und da, wirklich eine blaue
Türe...
Was
wir dann sahen, ließ uns hoffen, dass wir richtig waren. Scheinwerfer,
Kabel, Stative, Berge von technischem Gerät und ein Haufen Leute.
Sabine, die Regieassistentin, nahm uns auch gleich in Empfang und
schickte uns mit samt dem Storyboard in den Catering-Bereich. Dort lasen
wir erst mal die Handlung des Videos durch und mussten lachten. Vor
allem als wir versuchten uns Thomas in der Rolle vorzustellen.... Wir
dachten, das kann nicht deren Ernst sein!
Etwa 5-10 Minuten
nach uns kamen Thomas und Claudia. Ich war froh endlich jemand zu
kennen, denn ich fühlte mich doch etwas verloren. Überall rannten
Techniker mit Lampen und Kabel durch die Gegend, irgendwo schleppte
jemand Stoffballen, ein Kamerawagen wurde durch die Halle geschoben und
ich hatte einfach nur Angst im Weg zu stehen!
Beide kamen sofort
auf uns zu und begrüßten uns. Claudia nahm uns gleich in Schlepptau
und brachte uns in den einzigen wirklich beheizten Raum in dieser
zugigen Fabrikhalle. Im Raum fanden sich mehre Kleiderständer mit
allerlei buntem Fummel, Bügelbrett und Campingstühle sowie ein
Tapeziertisch der mit einem beleuchteten Spiegel versehen die
"Maske" darstellte. Thomas sprang auch gleich aus seinem
schwarzen Sakko und probierte eine Jacke nach der anderen an. Die
Schuhe, die er mitgebracht hatten, wurden kurzerhand Silber lackiert und
ich "durfte" die Knöpfe an ein silberfarbenes Hemd nähen.
Ein silbernes Glitzerding aus einem ekeligen Material! Ich meinte nur,
dass mir derjenige Leid tue, der es tragen müsse, denn in dem Stoff
schwitze man bestimmt. Na ja, nach 3-4 Knöpfen wusste ich dann auch für
wen das Hemd war, denn plötzlich stand Thomas neben mir, guckte mir über
die Schulter und brummte was von "Machst Du das auch anständig?
Das ist mein Hemd."...
Dieses Silber wurde
aber noch getoppt als sich Thomas dann komplett umgezogen hatte. Der
Anzug, der eigens für diesen Dreh nach einem Anzug von ihm genäht
wurde, war auch Silber und bestand fast nur aus glitzernden Pailletten.
Ecki, der Stylist, krönte dieses Outfit noch mit einem Pelzmantel und
einem silbernen Spazierstock. Ein Anblick, den wir wirklich nicht von
Thomas gewöhnt sind!
- Den Mantel wollte Thomas in den Drehpausen übrigens gar nicht wieder
her geben, denn in dem dünnen Anzug war es ihm in der zugigen
Fabrikhalle dann doch etwas kalt...
Irgendwann
gingen Thomas und Ercan, der Choreograf, in eine leere Ecke der Halle
und begannen Schrittfolgen zu üben... Ich dachte, ich seh nicht
richtig! Thomas tanzt in dem Video??? Auf jeden Fall lernte Thomas recht
schnell und Ercan musste nicht viel erklären.
Wer
das Video kennt, weiß dass Thomas meist im "Wohnwagen" zu
sehen ist. Das schillernde bunte Ding war in Wirklichkeit allerdings
eine große, auf einem Gitterboden ca. 1 m über rosa Scheinwerfern
angebrachte Holzkiste. Marcel und ich durften sie auch mal kurz von
innen bewundern, aber ehrlich gesagt, ich war froh wieder raus zu dürfen.
Irgendwann
war dann die "Kiste" fast zugebaut mit Scheinwerfern,
Lichtwannen (Flächenleuchten)
und der Kamera. Sabine schrie endlich "Äktschäään!"
und Thomas war sofort wie ausgewechselt... Woher noch leicht gelangweilt
wartend kam er in wenigen Sekunden von Null auf Hundert. Er sang, tanzte
und performte wie verrückt! Und Sabines Schreie "gib allääääääs"
motivierten ihn noch mehr. Ich war im ersten Moment ganz von den Socken.
Thomas bewegte sich mit dem Spazierstock als würde er das schon ewig
machen und man sah ihm an, dass er mit Spaß bei der Sache war. Auf mich
wirkte es, als ob er es genoss endlich was zu zeigen und nicht nur still
zu halten.
Ich
war sehr überrascht wie wenige Regieanweisungen es eigentlich gab, zwar
gab es ein paar kurze einstudierte Schrittfolgen, und es wurde klar
abgesprochen, wo er sich bewegen sollte, aber in erster Linie war das
meiste improvisiert. Immer mehr verrückte und ausgefallene Posen kamen
aus ihm heraus. Er kokettierte und spielte mit der Kamera, probierte
allerhand Gesten und Bewegungen. Hin und wieder gab ihm Ercan in paar
Hinweise, wie er irgendwas verbessern oder variieren könnte, aber das
wurde immer seltener. Das Tanzen im "Anhänger" wurde mal mit
Jacke, mal ohne, mal mit Brille, mal ohne, mal mit Stock, mal ohne, mal
mit anderer Beleuchtung, mal mit Diskokugel, mal ohne gemacht. Danach
folgten die Mädels. Sie hatten bisher extrem leicht bekleidet und voll
gestylt in der kalten Fabrikhalle gewartet. Zuerst konnten sie aber gar
nicht in den Container, weil sie mit ihren Highheels im Gitterboden
stecken geblieben wären. Also musste erst jemand feinere
Gitterblechplatten organisieren. Anschließend folgten die Close-ups.
Bei diesen Szenen durfte Thomas auf einem Stuhl sitzen, aber von der
Beleuchtung her war das der schwierigere Teil. Vorher war es wichtig,
dass der gesamte Raum so ausgeleuchtet ist, das sein Anzug gut rüberkommt.
Nun musste sein Gesicht gut aussehen. Also Lampen abbauen, umtauschen,
Scheinwerfer aufbauen - und das dauerte...
Dann
folgte die Szene mit der Wohnwagentüre. Sie wurde mit einem echten Anhänger
gedreht. In seinem Innern befand sich aber nur die Beleuchtung und eine
Nebelmaschine. Binnen weniger Minuten wurden riesige Scheinwerfer auf
die weiße Hallendecke gerichtet und schon bald wirkte es fast wie
Tageslicht. Für den schmutzigen und fleckigen Boden wurde ein ganz
einfacher Trick verwendet, der Boden wurde einfach nass gemacht. Das was
im Video sauber und glatt aussieht, war nichts anderes als eine riesige
Wasserlache ins rechte Licht gerückt. Nachdem diese Sequenzen im Kasten
waren, ging es ins Treppenhaus. Das
Treppenhaus war eigentlich fast genauso toll wie der Parkplatz und die
Fabrikhalle... dreckig und leicht zerfallen. Ich wunderte mich, dass
alles nur spärlich beleuchtet wurde, aber das war vermutlich auch
besser so. Zudem war es dort fürchterlich eng und es konnten nur wenige
Zuschauer rein. Da die Treppe sehr steil war, hatten es die Mädels auch
diesmal nicht leicht. Mit ihren hohen Schuhen mussten sie die Treppe
immer wieder rauf und runter.... Aber auch das war irgendwann geschafft.
Die Szenen mit Thomas waren alle im Kasten und gegen 23 Uhr
verabschiedeten wir uns von einander. Die Crew selber machte allerdings
weiter. Für sie war der Drehtag noch lange nicht zu Ende!
Alles
in Allem war dieser Tag für uns ein einmalig schönes Erlebnis! Es hat
uns Spaß gemacht mal so hinter die Kulissen zu gucken und
mitzubekommen, wie viel Arbeit hinter so einem kleinen Videoclip steckt!
Uschi Ankelin
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